08.02.2018 - 14:40 HSH Nordbank

Meinung weekly: Schwieriger Exit

Jerome Powell, der neue Fed-Präsident, ist nicht zu beneiden. Einen Tag nach seinem Amtsantritt am 5.2. brachen die amerikanischen Aktienmärkte um etwa vier Prozent ein. Das ist beileibe noch kein Crash, noch nicht mal eine schwere Korrektur, aber die Nervosität an den Aktienmärkten führt Powell vor Augen, wie kompliziert der Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik der letzten Jahre werden könnte.

Es war immer klar: Der Exit der US-Notenbank wird schwierig. Auf der einen Seite muss das Übermaß an Liquidität von den Finanzmärkten abgesogen werden, um die Bildung von Blasen zu verhindern. Auf der anderen Seite darf man nicht zu schnell vorgehen, da die Renditen ansonsten in die Höhe schnellen und eine neue Abwärtsspirale an den Vermögensmärkten auslösen könnten. Ein Drahtseilakt.

Wie wird die Notenbank weiter vorgehen? Die Notenbank würde falsch reagieren, wenn sie jetzt den alten Greenspan-Put wiederbelebt. Dieser Begriff stammt aus der Ära des früheren Notenbankchefs Alan Greenspan und beschreibt die Erwartung der Anleger, dass die Notenbank einspringen würde, wenn es an den Märkten zu größeren Problemen kommt. Im Ergebnis zeigten die Anleger eine rücksichtslose Risikofreude. Ein derartiger ohnehin problematischer Put wäre in der heutigen Zeit aus zwei Gründen besonders riskant: So ist das Munitionslager der Fed deutlich reduziert, die Leitzinsen sind mit 1,5 % immer noch extrem niedrig. Vor allem aber würde sich die Fed in eine ausweglose Lage manövrieren, wenn sie etwa verspricht, das QE-Programm im Notfall wiederzubeleben. Denn in diesem Fall würde kaum jemand der Notenbank abnehmen, dass sie überhaupt jemals in der Lage ist, die Geldpolitik zu normalisieren. Eine lange Ära von hoher Instabilität wäre die Folge, da die Überschussliquidität von einem Sektor zum nächsten „schwappen“ würde. Das kann nicht im Sinne der Fed sein. Daher ist eine derartige Strategie nicht zu erwarten.

Aber auch die Persönlichkeit des neuen Notenbankpräsidenten spricht gegen einen Powell-Put. Jurist Powell ist nicht als Draufgänger bekannt, sondern eher zurückhaltend und unaufgeregt. Er spielt sich nicht in den Vordergrund, was beispielsweise dadurch deutlich wird, dass es kaum Einträge im Internet von ihm gibt, die vor dem Jahr 2011 (als seine Nominierung für das Fed-Direktorium bekannt wurde) liegen. Powell dürfte sich also nicht nervös machen lassen von der für viele Marktteilnehmer ungewohnten Volatilität an den Finanzmärkten. Und er könnte ein wichtiges Signal senden: Auch von einem etwaigen Anstieg der Inflation würde sich die Fed nicht vom bisherigen Pfad abbringen lassen. Letzteres würde eine wohldosierte Botschaft an die Märkte sein, dass die Angst vor einer aggressiven Gangart der Fed unbegründet ist. Insgesamt ist damit zu rechnen, dass Powell auf der Linie von Yellen bleibt, die mit leicht beschleunigenden Trippelschritten dem Ausgang zustrebte. Konkret heißt das: Keine Kursabweichung, drei Zinsschritte in diesem Jahr.

Denn an der fundamentalen Lage hat sich bislang nicht viel geändert. Sicher, der Arbeitsmarkt ist in den vergangenen Monaten nochmals etwas enger geworden. Die Inflation ist aber immer noch niedrig und spricht nicht für eine Überhitzung. Außerdem ist die Kapazitätsauslastung in der Industrie in etwa durchschnittlich und das derzeitige Wirtschaftswachstum weicht kaum von dem langfristigen Trend ab. Zur Erinnerung: Vor der letzten großen Krise 2007/2008 war das Gemisch deutlich anders: Inflation von über 4 %, überdurchschnittliche Kapazitätsauslastung in der Industrie und ein deutlich über Trend liegendes Wirtschaftswachstum.

Fazit: Die Gefahr, dass ein fortgesetzter Einbruch an den Aktienmärkten die Realwirtschaft der USA nachhaltig beeinträchtigt, schätzen wir zu diesem Zeitpunkt als nicht so wahrscheinlich ein. Insofern dürfte sich Powell den Weg zum Exit nicht von nervösen Aktienanlegern blockieren lassen. Die Aufgabe des neuen Fed-Präsidenten bleibt dennoch kompliziert.

 


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