09.01.2018 - 09:00 HSBC

Euro-BUND-Future: Erfolgsserie gerissen

Euro-BUND-Future: Erfolgsserie gerissen
Im nächsten Schritt wollen wir uns endlich der Zinsentwicklung in Deutschland zuwenden. Im Vergleich zu den USA hinken wir diesseits des Atlantiks allerdings deutlich hinterher. Dennoch tut sich auch hierzulande etwas. Schließlich riss beim Jahreschart des Euro-BUND-Future im abgelaufenen Jahr eine bemerkenswerte Erfolgsserie. Zum ersten Mal seit 2008 konnte das Rentenbarometer kein neues Jahreshoch verbuchen. Mit 166,40 blieb das Jahreshoch 2017 deutlich unter seinem bisherigen Rekordhoch aus dem Vorjahr (168,86). Da das Tief des abgelaufenen Jahres (158,73) zudem etwas höher als das 2016er-Pendant (158,33) ausgeprägt wurde, liegt darüber hinaus ein sog. „inside year“ vor (siehe Chart 1). Beide Phänomene im Zusammenspiel dokumentieren, dass der Haussetrend seit 2008 an Dynamik verliert. An dem beschriebenen Innenstab können Anleger erkennen, dass echtes Ungemach auf der Rentenseite erst dann droht, wenn dieses Kursmuster mit einem Abgleiten unter die jüngsten beiden Jahrestiefs bei 158,73/33 negativ nach unten aufgelöst wird. Interessanterweise entstünde dann auch aus Sicht des Point & Figure-Charts ein strategisches Ausstiegssignal.
 
 
  Euro-BUND-Future (Annually)  
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Wehe, wenn die Bastion bei 158,73/33 fällt
Solche Konstellationen, in denen unterschiedliche Chartdarstellungsformen die Bedeutung einer Schlüsselzone bestätigen, wissen wir besonders zu schätzen. Deshalb ist das der ideale Aufhänger, um uns noch intensiver mit dem Niveau von rund 158 ½ auseinanderzusetzen. Der Quartalschart des Euro-BUND-Future ist wie gemacht für diese Aufgabe. Zunächst einmal hat der Dynamikverlust seit dem Allzeithoch von 168,86 zum Rückfall in den Aufwärtstrendkanal seit Anfang der 1990er Jahre (obere Kanalbegrenzung akt. bei 167,15) und zum Bruch des steilen Haussetrends seit 2008 (akt. bei 168,04) geführt. In den letzten fünf Quartalen hat sich das Rentenbarometer zudem mit der angeführten Schlüsselzone auseinandergesetzt, deren Bedeutung zusätzlich durch die Glättung der letzten 12 Quartale (akt. bei 161,01) unterstrichen wird (siehe Chart 2). Als letztes Argument für die Relevanz der Unterstützungszone bei knapp 159 dienen die jüngsten drei „inside quarters“. Im Jahresschlussquartal 2017 wurde die Schwankungsbreite auf 163,92 zu 160,59 weiter eingeengt, so dass spätestens unterhalb der Marke von 158,73 die beschriebenen Innenstäbe nach unten aufgelöst wären.
 
 
  Euro-BUND-Future (Quarterly)  
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Indikatoren als Frühwarnsystem
Dass der Druck auf die Schlüsselzone schlechthin hoch bleiben dürfte, signalisiert nicht zuletzt der im vergangenen Jahr komplettierte „bearishe“ Keil (siehe erneut Chart 2). In diesem Zusammenhang lohnt beispielsweise auch ein Blick auf den MACD. So hat der Trendfolger zuletzt das erste Verkaufssignal seit 2008 generiert. Eine ordentliche Fallhöhe signalisiert darüber hinaus der RSI. Auf die Ausprägung einer negativen Divergenz, indem das letzte Verlaufshoch nicht mehr durch ein entsprechendes Indikatorhoch bestätigt wurde, folgte der Bruch des im Jahr 2008 etablierten Aufwärtstrends im Verlauf des Oszillators. Eine wichtige Rolle spielen zudem die jüngsten beiden RSI-Tiefs bei gut 65, denn ein Abgleiten unter dieses Level würde eine Toppbildung im Chart des Oszillators vervollständigen. In der Vergangenheit traten solche Indikatorformationen bzw. -trendlinien oftmals mit zeitlichem Vorlauf zum eigentlichen Chartverlauf auf. Deshalb dürfte der Druck auf die Marke von 158,73 in Zukunft hoch bleiben. Anhand des Monatscharts des Euro-BUND-Future wollen wir im Folgenden mögliche Rückzugsbereiche im Fall einer negativen Weichenstellung definieren (siehe Chart 3)
 
 
  Euro-BUND-Future (Monthly)  
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Kursziele auf der Unterseite
Das Herunterbrechen der Zeitebenen – wie hier angewandt – halten wir bei jeder Analyse für eine vernünftige Vorgehensweise. Der Chartverlauf des Zinsbarometers dient dabei nahezu als Lehrbuchbeispiel. Die Kursentwicklung des letzten Jahres kann letztlich als eine seitliche Schiebezone zwischen rund 166 und knapp 159 interpretiert werden. Aus der Höhe des Konsolidierungsmusters ergibt sich bei einer negativen Weichenstellung ein rechnerisches Abschlagspotential von sieben „big figures“. Interpretieren Anleger die Kursentwicklung der letzten zwei Jahre indes sogar als „große Toppbildung“, dann resultiert daraus ein kalkulatorisches Kursziel im Bereich von rund 149. Das zuletzt genannte Level harmoniert zudem bestens mit dem im Sommer 2008 etablierten Basisaufwärtstrend (akt. bei 149,09) sowie der 61,8%-Korrektur des letzten Hausseimpulses von September 2013 bis Juni 2016 (148,92). Im letzten Schritt wenden wir uns der 10-jährigen Rendite in Deutschland zu, die sich während des gesamten Jahres 2017 mit der 38-Monats-Linie (akt. bei 0,34 %) auseinandersetzte. Im Wochenbereich führt diese Entwicklung seit über einem Jahr letztlich zur Ausprägung einer seitlichen Schiebezone zwischen 0,15 % und 0,64 % (siehe Chart 4)
 
 
  10-jährige Rendite Deutschland (Weekly)  
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Linear vs. Logarithmisch: Der Trend ist reif
Doch zunächst noch einmal eine grundsätzliche Anmerkung: Normalerweise verwenden wir logarithmierte Charts, d. h. prozentual gleiche Kursveränderungen nehmen im Chart den gleichen Raum ein. Die Ausnahme von dieser Regel stellt der Kursverlauf der 10-jährigen Rendite in Deutschland dar. Der Ausflug in negatives Terrain im Jahr 2016 sorgt dafür, dass dieser Chart von nun an bis in alle Ewigkeit nur noch auf linearer Basis dargestellt werden kann. An dieser Anekdote können Anleger möglicherweise festmachen, dass in der Spätphase eines über 30-jährigen Baissetrends manchmal an der Börse tatsächlich „geklingelt“ wird. Dass wir hierzulande im Vergleich zur Zinsentwicklung in den USA deutlich hinterherhinken, können Investoren beispielsweise auch am Bruch des Erholungstrends seit Oktober 2016 festmachen. Aber vor allem müssen wir uns bei der Analyse der 10-jährigen Rendite in Deutschland mit der Definition von Signalmarken begnügen. Deshalb sollten Anleger die Auflösung der angeführten Tradingrange abwarten. Während eine Auflösung der o. g. Schiebezone nach unten eine Belastung für positive Renditen darstellen würde, bereitet auf der Oberseite ein Spurt über das Jahreshoch 2017 bei 0,64 % den Boden für einen moderaten Zinsanstieg.
 
 
  10-jährige Rendite Deutschland (Weekly)  
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Jahreshoch 2017 bei 0,64 % als Signalgeber
Gelingt es den zuletzt angeführten Trigger zu aktivieren, entsteht ein Signal von großer Tragweite, denn dann hätte die 10-jährige Rendite weitere wichtige charttechnische Hürden aus dem Weg geräumt. Zunächst einmal ist in diesem Zusammenhang die nach wie vor dynamisch fallende 200-Wochen-Linie (akt. bei 0,53 %) ins Feld zu führen. Gleichzeitig wäre dann auch der seit Sommer 2008 dominierende Baissetrend (akt. bei 0,59 %) zu den Akten gelegt sowie das Jahreshoch 2016 (0,60 %) übersprungen. Im Erfolgsfall markieren die Hochpunkte von Mitte 2015 bei rund 1,00 % das nächste Anlaufziel. Zusammen mit einem Fibonacci-Cluster aus der 50%-Korrektur des letzten Zinsrutsches seit September 2013 (0,92 %) sowie dem 23,6 %-Pendant des gesamten Renditerückgangs seit 2008 (0,95 %) entsteht auf diesem Niveau die nächste Kumulationszone. Zum Abschluss müssen wir noch einige Worte über die Volatilität auf der Zinsseite verlieren. Im Aktienteil des Jahresausblicks hatten wir herausgestellt, dass die Volatilität im vergangen Jahr weit unterdurchschnittlich ausfiel. Das Gegenteil ist bei der 10-jährigen Rendite sowohl in den USA als auch in Deutschland der Fall.
 
 
  10-jährige Rendite Deutschland (Weekly)  
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Verrückte Volatilitäten und Ablaufplan 2018
Die überwiegende Anzahl der Handelstage im abgelaufenen Jahr wies also eine Schwankungsbreite von mehr als 1 % auf. Auch im Vergleich zur historischen Entwicklung der letzten zehn Jahre fällt die Volatilität sehr groß aus. Während Handelstage mit geringen Schwankungsbreiten unterrepräsentiert sind, kam es 2017 an deutlich mehr Handelstagen zu überdurchschnittlich großen Tagesveränderungen. Am Eindrucksvollsten ist aber der direkte Vergleich zwischen der 10-jährigen Rendite und dem DAX®. Während die Standardabweichung der Tagesperformance 2017 auf der Aktienseite lediglich 0,67 % betrug, schwankte die Rendite um durchschnittlich 9,44 %. Auch in den USA gilt der Zusammenhang, dass inzwischen die Zinsseite (1,49 %) stärker schwankt als die Aktienseite (S&P 500®: 0,42 %). Verkehrte Welt! Fazit: Aufgrund der vorliegenden Bodenbildungen in den USA in den kürzerfristigen Laufzeiten ist die Gretchenfrage, wie weit sich die Zinsstrukturkurve noch abflachen kann. Oder ob letztlich die beschriebene Entwicklung nicht auch auf das lange Ende durchschlagen wird. Wir sind eher Anhänger letzterer These. Deshalb erwarten wir für die 10-jährige Rendite USA 2018 auch mal eine „3“ vor dem Komma (siehe Chart 7), während in Deutschland ein Anlauf auf die 1 %-Marke zu erwarten ist.
 
 
  10-jährige Rendite USA (Annually)  
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